"Doku-Zentrum" Reichsparteitagsgelände und Studientag "Jugend und Erziehung im Nationalsozialismus"


Die Klasse 9c vor dem Dokumentationszentrum

Sehr beeindruckt war die Klasse 9c von den Ausmaßen des Reichsparteitagsgeländes. Hier wartete man noch gespannt auf die zwei Mitarbeiter des "DoKuPäd", die die Maristen-Realschüler am 12. Mai sechs Stunden lang betreuten und ihnen einiges abverlangten. Zuerst führte der Weg in die Dauerausstellung "Faszination und Gewalt", die sich im Nordflügel der unvollendeten Kongresshalle befindet.

Ein Blick auf den Monumentalbau

In dem Monumentalbau, für den am 11. September 1935 der Grundstein gelegt wurde, sollten 50.000 Menschen an den Kongressveranstaltungen teilnehmen. Bis zur Einstellung der Bauarbeiten im Jahr 1939 hatte er in der Höhe erst rund 60 Prozent des geplanten Bauvolumens erreicht. Diese unfertige Kongresshalle weist eine Grundfläche von 275 x 265 Metern auf und ist das größte erhaltene Relikt der Herrschaftsarchitektur des "Dritten Reiches".

Panoramaufnahme

Nach 1945 ging das Gebäude in den Besitz der Stadt Nürnberg über. Am 4. November 2001 eröffnete Bundespräsident Johannes Rau das Dokumentationszentrum, das sich mit den Ursachen, Zusammenhängen und Folgen der NS-Gewaltherrschaft befasst.
Die Führung durch die Ausstellung war sehr abwechslungsreich gestaltet, da die Schüler sie teilweise selbst erkunden konnten. Dabei waren ihnen die Audioguides sehr behilflich.

 Schüler mit Audioguides Schüler mit Audioguides

Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt bei den jährlich stattfindenden Reichsparteitagen, die von 1933 bis 1938 jeweils unter einem anderen Motto standen. Der für September 1939 geplante Parteitag, der ein "Reichsparteitag des Friedens" sein sollte, fand aber wegen des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges nicht mehr statt.
Diese Veranstaltungen dienten vor allem der Selbstdarstellung des Regimes und seines "Führers", der Inszenierung der "Volksgemeinschaft" und der Einstimmung der Bevölkerung auf den Krieg. Endlose Aufmärsche und Appelle, militärische Vorbereitungen - sogenannte "friedliche Übungen für den Krieg" - und Sportveranstaltungen, Parteikongresse, Tagungen der NS-Organisationen, Propagandaausstellungen, Volksfeste, Feuerwerke sowie Konzerte und Opernaufführungen bewirkten eine totale Mobilmachung der Gefühle, der sich der Einzelne kaum entziehen konnte.

Parteitagsimpressionen

Nabil Hourani, der die Klasse 9c gemeinsam mit seinem Kollegen Christian Kelch durch die Ausstellung führte, wies darauf hin, dass zu diesen Parteitagen bis zu einer Million Menschen nach Nürnberg gekommen waren. Neben den offiziellen Teilnehmern - alle NSDAP-Gliederungen waren vertreten - waren dies hunderttausende Besucher, die die Aufmärsche auf dem Reichsparteitagsgelände als eine riesige Attraktion erlebten.

Parteitagsimpressionen

Beim Blick auf einen dieser Aufmärsche erfuhr die Klasse 9c, dass nicht alles so rosig verlief, wie es nach außen den Anschein hatte. Denn vielen Teilnehmern sei es nach durchzechten Nächten bestimmt nicht leicht gefallen, stundenlang zu stehen und nicht austreten zu dürfen. Man könne sich gut vorstellen, welcher Gestank sich auf dem Areal dieses Geländes verbreitet habe. Trotz alledem habe diese sorgfältig einstudierte Choreographie die Zuschauer, die vorwiegend mit der Eisenbahn aus allen Teilen des Deutschen Reiches angereist waren, begeistert.
Sehr interessant fanden die Maristen-Schüler auch, wie sich Zeitzeugen an die Reichsparteitage erinnerten: "Für mich war der Parteitag damals ungefähr so wichtig wie Weihnachten. Bei mir und meinen Freundinnen war eine Art Wettbewerb: Wer den Führer am öftesten sieht. Und dann habe ich ihn im Jahr 1937 zwölf Mal gesehen, im Jahr 1938 dreizehn Mal. Und wir sind auch zum Deutschen Hof hingepilgert und haben also nicht nur gerufen: 'Wir wollen unseren Führer sehen!", sondern auch 'Lieber Führer, sei so nett, zeig dich doch am Fensterbrett." Und ich habe also nun gesehen, dass er manches Mal schon etwas gelächelt hat, wenn er heraus ist, und auch gegrüßt hat..." (Käthe Fettahoglu, geboren 1923)

 Schüler lauschen Zeitzeugen Schüler lauschen Zeitzeugen

Auch Reinhold Schwiddesen, geboren 1919, erinnerte sich: "Das war so ein Erlebnis in der Gemeinschaft, Parademarsch machen sie gerne, und sonntags ausgezeichnet zu sein, weil man gut marschieren konnte. Das war ein Erlebnis. Ja, das waren doch ausgesuchte Leute, die da rein durften. Wenn wir aussortiert worden wären hinterher, weil wir schlechter marschierten als andere, dann hätten wir geweint wie ein Schlosshund, davon bin ich überzeugt."

Würfelspiel 'Juden raus'

In der Abteilung "Rassismus und Antisemitismus" erfuhr die Klasse 9c, dass die "Nürnberger Gesetze" während des "Reichsparteitags der Freiheit" 1935  erlassen wurden. Demzufolge wurden die Juden nach dem "Reichsbürgergesetz" zu Staatsbürgern zweiten Grades, Eheschließungen zwischen Deutschen und Juden durften laut "Blutschutzgesetz" nicht mehr geschlossen werden. Mit welchen perfiden Mitteln man den Hass gegen die Juden von Anfang an schürte, zeigen diese Bilder. Beim Betrachten des Würfelspiels "Juden raus" konnten viele Schüler nur noch den Kopf schütteln.

Wie Kinder hassen lernen

Auch das Schicksal der Sinti und Roma, die im "Dritten Reich" sowohl als "Asoziale" wie auch als "Rassenfremde" verfolgt wurden, ließ die Maristen-Realschüler nicht kalt. Ein Erlass des Reichsministers vom 3. Januar 1936 unterwarf sie dem "Blutschutzgesetz", seit 1936 wurden sie in kommunale Zwangslager eingewiesen. Auf Weisung Himmlers vom 8. Dezember 1938 erfasste man alle in Deutschland lebenden "Zigeuner" und "Zigeunermischlinge", untersuchte sie "rassenbiologisch" und klassifizierte sie. Damit wurden die Grundlagen für die spätere Deportation in die Vernichtungslager im Osten geschaffen.

Sinti und Roma
 
Auf dem Weg zum Ausgang kam man an einem Modell des "Deutschen Stadions" vorbei, das bis zu 130 Meter hoch werden sollte. Über 400.000 Zuschauer sollten hier den NS - Kampfspielen - einem "Deutschen Olympia" - beiwohnen. Dieses monströse Bauwerk gelangte jedoch über Fundamentierungsarbeiten nicht hinaus.

Modell des Deutschen Stadions

Die Erschöpfung nach dem Besuch der Ausstellung "Faszination und Gewalt" schien nicht allzu groß gewesen zu sein. Auf jeden Fall machten die Schüler - hier mit ihrem Klassleiter Alfred Urban - noch einen recht lebendigen Eindruck.

Die Schüler nach dem Ausstellungsbesuch

Anschließend begab sich die Klasse 9c mit ihren Lehrkräften in das "Nürbanum", wo in den Räumen des DoKuPäd der zweite Teil der Geschichtsexkursion stattfand. Dort wurden sie von Christian Kelch und Nabil Hourani auf den Studientag "Jugend und Erziehung im Nationalsozialismus" vorbereitet.

Die Betreuer des Studientages

Es dauerte nicht lange, bis sich Gruppen bildeten und Themen ausgewählt wurden. Die erste Gruppe mit Dominik K., Tobias P., Julian P. und Johannes S. beschäftigte sich mit dem Alltag in der Hitlerjugend. Sie musste folgenden Fragen nachgehen: Wer war die HJ? Wie war sie organisiert? Wer war bei der HJ? Welche Ziele verfolgte die HJ? Wie sollten die Jungen in der Zeit des Nationalsozialismus aussehen? Wie waren sie gekleidet? Warum war es für viele reizvoll, in der HJ zu sein? Hättet ihr Spaß an so einer Freizeitgestaltung?

Gruppe 'Hitlerjugend' 
Gruppe 'Hitlerjugend' 


Fabian A., Sebastian G., Stefan M., Lukas S. und Daniel W. hatten sich das Thema "Bund Deutscher Mädel" ausgesucht. Dabei mussten sie sich mit ähnlichen Fragen wie die erste Gruppe auseinander setzen: Was war der BDM? Wie war er organisiert? Wer war beim BDM? Welche Ziele verfolgte der BDM? Wie sollten die Mädchen in der Zeit des Nationalsozialismus aussehen, wie waren sie gekleidet? Was machte es für viele Mädchen reizvoll, beim BDM zu sein? Hättet ihr Spaß an so einer Freizeitgestaltung?

Grppe 'BDM'  Gruppe 'BDM'

Die dritte Schülergruppe mit Jonas B., Christian D., Dennis P., Nico P. und Mika K. beschäftigten sich mit den nationalsozialistischen Erziehungszielen: Welche Erziehungsziele wollte Adolf Hitler umsetzen? Welche Erziehungsaufgaben übernahm die Hitlerjugend? Wie wurde das Prinzip "Jugend führt Jugend" umgesetzt? Welche Aufgabe hatte die Schule im Hinblick auf die Erziehungsziele im Nationalsozialismus? Wie sollten schon kleine Kinder erzogen werden? Was haltet ihr von diesen Erziehungszielen?

Gruppe 'Erziehungsziele'  Gruppe 'Erziehungsziele'

Dennis A., Stefan B., Florian M., Benni S. und Jonathan W. erforschten das Phänomen der Ausgrenzungen bei Jugendlichen: Welche Jugendlichen wurden im Nationalsozialismus ausgegrenzt und verfolgt? Gibt es vielleicht Ähnlichkeiten in den Lebensläufen der verschiedenen Jugendlichen? Was machten die Jugendlichen? Für welche "Vergehen" wurden sie bestraft? Findet ihr das Verhalten bestrafenswert? Was geschah mit den Jugendlichen?

 Gruppe 'Ausgrenzungen bei Jugendlichen' Gruppe 'Ausgrenzungen'

Die Ergebnisse der verschiedenen Gruppen konnten sich in der sich anschließenden Präsentation sehen lassen. Auch die beiden Betreuer von DoKuPäd waren von den Chamer Maristen sehr angetan.

                                                          (Christl Hastreiter, FBin Geschichte)


www.museen.nuernberg.de/dokuzentrum
www.dokupaed.de

Aktuelles

Termine


Übertritt in die 5. Klasse zum Schuljahr 2019/20

Informationen und Termine unter der Rubrik "Rundschreiben"

29.01.2019

19:00 Uhr: Elternkurs "Kess erziehen: Abenteuer Pubertät" mit Herrn Sebastian Wurmdobler vom Kolping-Erwachsenenbildungswerk Regensburg (erstes Treffen)

05.02.2019

19:00 Uhr: Elternkurs "Kess erziehen: Abenteuer Pubertät" mit Herrn Sebastian Wurmdobler vom Kolping-Erwachsenenbildungswerk Regensburg (zweites Treffen)

07.02.2019

13:30 Uhr: Zwischenzeugniskonferenz

08.02.2019

Jour Fixe im Mehrzwecksaal in der Aula

12./13.02.2019

Vorträge der PI Cham zum Thema "Alkohol und Drogen": 12. Januar: 10a; 13. Januar: 10b

12.02.2019

19:00 Uhr: Elternkurs "Kess erziehen: Abenteuer Pubertät" mit Herrn Sebastian Wurmdobler vom Kolping-Erwachsenenbildungswerk Regensburg (drittes Treffen)

15.02.2019

Ausgabe der Zwischenberichte und Zwischenzeugnisse

19.02.2019

19:00 Uhr: Elternkurs "Kess erziehen: Abenteuer Pubertät" mit Herrn Sebastian Wurmdobler vom Kolping-Erwachsenenbildungswerk Regensburg (viertes Treffen)

22.02.2019

13:00 bis 18:00 Uhr: Zweiter Elternsprechtag

Katzberger Straße 5
93413 Cham
09971 2376

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