Ausstellung "Endstation Vernichtung": Aufklärung über die Rolle der Reichsbahn im "Dritten Reich"

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Zwei Wochen lang hatten die Schüler und Lehrer der Maristen-Realschule Cham ebenso wie die der benachbarten Schulen Gelegenheit, sich anhand einer Wanderausstellung über die Rolle der Reichsbahn von 1933-1945 zu informieren. Diese bestand aus sechs Textilbannern, die in der Aula für Aufmerksamkeit sorgten, und 16 Planen, die die Klasse 9c an beiden Seiten des Sportplatzes befestigte. 


9c beim Befestigen der Planen


Diese äußerst interessante Dokumentation mit dem Titel "Endstation Vernichtung", die erstmals 2009 in München zu sehen war, wurde uns dankenswerterweise von der Gesellschaft "Arbeit und Leben" zur Verfügung gestellt.


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Die hier dargestellte Karte klärte die Schüler über die Bedeutung, die die Reichsbahn in den 1930-er Jahren im Großraum München hatte, auf. Sie sicherte die Versorgung mit Konsumgütern und Industrieprodukten, ermöglichte Individualreisen und vernetzte diese Region mit den südosteuropäischen Märkten.


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Hakenkreuzfahnen und NS-Parolen auf Bahnhöfen und an Zügen warben für das NS-Regime ebenso wie günstige "Kraft durch Freude" - Sonderfahrten. Die Eisenbahn erfüllte noch einen anderen, sehr wichtigen Zweck für das Regime: Sie beförderte Hunderttausende von Menschen zu den Reichsparteitagen nach Nürnberg. 


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Das Regime besetzte Führungspositionen nur mit loyalen Gefolgsleuten. Politisch "Unzuverlässige" - besonders Gewerkschafter, Sozialdemokraten und Kommunisten - wurden verhaftet oder mussten ihren Platz räumen. Jüdische Mitarbeiter wurden entlassen, nationalsozialistische Karrieristen rückten in Schlüsselpositionen vor.


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Wie deutsche Soldaten Zwangsarbeiter im Osten "anwarben", erfuhr man auf diesem Banner. Galina Iwanowa, die aus der Ukraine nach München gebracht wurde, erinnert sich: "Es begann damit, daß ein Deutscher namens Graf Spreti im Februar 1942 hierher nach Uman kam, um Arbeitskräfte anzuwerben. Die Deutschen veranstalteten eine große Versammlung im Kino. Eine Menge Leute ging hin, um zu sehen, was es gab. Spreti sagte: 'Ich möchte, daß ihr Bürger von Uman freiwillig nach Deutschland geht, um der deutschen Wehrmacht zu helfen.' Er versprach uns das Paradies. Aber wir wußten schon, was solche Versprechen wert waren, und fragten: 'Was geschieht, wenn wir nicht wollen?'  - 'In diesem Fall wird man sie höflich auffordern, trotzdem zu gehen.' Das war am 10. Februar. Zwei Tage später zogen sie von Haus zu Haus und nahmen alle jungen Leute mit. Man brachte uns in eine große Schule und um fünf Uhr morgens zum Bahnhof. Dort steckte man uns in Eisenbahnwägen, die dann verschlossen wurden."


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Die Zwangsarbeiter wurden in München gemeinsam mit Kriegsgefangenen in den beiden Reichsausbesserungswerken eingesetzt. Dort mussten sie Fahrzeuge warten und instandsetzen, Gütertransporte verladen und Rangiertätigkeiten übernehmen. Auch der Gleisbau gehörte zu ihren Aufgaben. Ohne sie hätte die Reichsbahn weder den regulären noch den kriegswichtigen, außerplanmäßigen Schienenverkehr aufrecht erhalten können.

Die Lebens- und Arbeitsbedingungen der "Ostarbeiter" waren entwürdigend. Sie wurden ausgebeutet und schlechter ernährt als die französischen Zwangsarbeiter.


Ernährung der


Um der Verschleppung nach Deutschland zu entgehen, verstümmelten sich manche Osteuropäer selbst.


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Ab 1944 wurden Gefangene des Konzentrationslagers Dachau in Viehwaggons in das österreichische Weißsee gebracht, wo sie am auf 2800 Metern ein Kraftwerk für die Reichsbahndirektion bauen mussten. Viele von ihnen starben infolge der eisigen Temperaturen und von Misshandlungen.


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Häftlinge wurden auch zur Bombenentschärfung eingesetzt. Hier sieht man ein "Sprengkommando", das auf dem Münchner Hauptbahnhof ohne technische Kenntnisse Zünder ausbauen musste.


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Die Reichsbahn bereitete sich ab 1937 mit Luftschutzübungen in den Betriebseinrichtungen auf den Krieg vor. Für den Einmarsch deutscher Truppen in die besetzten Gebiete stellte die Bahnverwaltung Lokomotiven, Waggons und Ausrüstung zur Verfügung. Außerdem organisierte sie die geforderten Soldaten- und Materialtransporte. 1942/43 wurden tausende Kilometer von Feldbahnen gebaut, die als Verbindung zu entlegenen und ständig veränderten Frontabschnitten notwendig waren.


Transport von Panzern


Der Einsatz der Reichsbahn für den Krieg hatte zur Folge, dass es bereits seit 1940 zu umfangreichen Einschränkungen im zivilen Eisenbahnverkehr kam.


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Mit Sonderzügen, aber auch fahrplanmäßigen Personenzügen wurden 3000 jüdische Mitbürger - Männer, Frauen und Kinder - in den Tod geschickt. Für diese Fahrt in die Lager Kaunas, Piaski, Auschwitz und Theresienstadt mussten die Deportierten 50 Reichsmark bezahlen.


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In der Mitteilung über den "Abwanderungstransport" an Ilse Sara von Twardowski stand, dass sie sich in ihrer Unterkunft bereithalten musste. Sie durfte die Wohnung ohne Erlaubnis der Polizei nicht verlassen. Als Gepäck war nur ein Handkoffer oder ein Rucksack bis zu 30 Kilogramm Gewicht zulässig. Die Verpflegung für den Transport musste sie selbst mitbringen.

Mehr Glück als Frau von Twardowski hatten 8000 Münchner und Münchnerinnen, die zwischen 1933 und 1942 emigrieren konnten. Die wichtigsten Exilländer waren die USA, Großbritannien und Palästina.


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Den Vermögensentzug der aus München deportierten Juden wickelte seit November 1938 die "Vermögensverwertung München GmbH" ab. Bankguthaben, Schmuck, Bibliotheken, Kunstsammlungen, Immobilien und sämtliches Wohnungsinventar wurden zugunsten der Staatskasse versteigert.

Mathilde Wolf wurde im Mai 1941 zu einer Geldstrafe von 80 Reichsmark bzw. 14 Tagen Gefängnis verurteilt, weil sie auf einem amtlichen Formular nicht mit dem für Juden verpflichtenden Zwangsnamen "Sara" unterschrieben hatte. Nach ihrer Deportation ins litauische Kaunas wurde der restliche Besitz beschlagnahmt und im Turnsaal der Schule an der Schwanthaler Straße 87 öffentlich versteigert.


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Die "Roten Rebellen" nutzten die Reichsbahn zeitweise als Transportmittel für sich und regimefeindliche Literatur. Als Speisewagenkellner getarnt erledigte Josef Lampersberger 1933 Kurierdienste für die Exil-SPD, die im tschechischen Grenzgebiet tätig war.


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Ende 1944 begann die letzte Phase des KZ-Systems: die Evakuierung der Gefangenen in die frontfernen Konzentrationslager. Dachau war hierbei ein wichtiger Knotenpunkt. Bis zum letzten Kriegstag pferchte man bis zu 100 Menschen in einen Güterwaggon und beförderte sie in Zickzackfahrten quer durch Süddeutschland. 

Am 30. April 1945 entdeckten US-Soldaten bei der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau auf einem Abstellgleis einen mit Leichen gefüllten Zug. Der Transport mit 4480 Gefangenen aus dem KZ Buchenwald war 21 Tage unterwegs gewesen. Nur bei der Abfahrt hatte es karge Lebensmittelrationen gegeben, die meisten Häftlinge waren unterwegs verhungert oder verdurstet.


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Dieses Plakat, das Richtung Katzberger Straße angebracht war, machte die Passanten vom 27. Februar bis 9. März 2012 auf die Ausstellung "Endstation Vernichtung" aufmerksam. 


Die folgenden Bilder zeigen unsere Schüler auf dem Sportplatz einmal ganz anders. In Gruppen aufgeteilt erforschten sie  mithilfe von gezielten Aufträgen  die Bedeutung der Reichsbahn für das nationalsozialistische Regime. Ohne deren Mitwirkung hätten sich viele Maßnahmen nicht realisieren lassen.


Arbeitsaufträge  Arbeitsaufträge
 Arbeitsaufträge
 Arbeitsaufträge
 Arbeitsaufträge
Arbeitsaufträge
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Arbeitsaufträge
 
 Arbeitsaufträge
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Arbeitsaufträge  Arbeitsaufträge
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                                                                                  (Christl Hastreiter, FBin Geschichte)



www.endstation-vernichtung.de

www.bayern.arbeitundleben.de




















Aktuelles

Termine


Übertritt in die 5. Klasse zum Schuljahr 2019/20

Informationen und Termine unter der Rubrik "Rundschreiben"

29.01.2019

19:00 Uhr: Elternkurs "Kess erziehen: Abenteuer Pubertät" mit Herrn Sebastian Wurmdobler vom Kolping-Erwachsenenbildungswerk Regensburg (erstes Treffen)

05.02.2019

19:00 Uhr: Elternkurs "Kess erziehen: Abenteuer Pubertät" mit Herrn Sebastian Wurmdobler vom Kolping-Erwachsenenbildungswerk Regensburg (zweites Treffen)

07.02.2019

13:30 Uhr: Zwischenzeugniskonferenz

08.02.2019

Jour Fixe im Mehrzwecksaal in der Aula

12./13.02.2019

Vorträge der PI Cham zum Thema "Alkohol und Drogen": 12. Januar: 10a; 13. Januar: 10b

12.02.2019

19:00 Uhr: Elternkurs "Kess erziehen: Abenteuer Pubertät" mit Herrn Sebastian Wurmdobler vom Kolping-Erwachsenenbildungswerk Regensburg (drittes Treffen)

15.02.2019

Ausgabe der Zwischenberichte und Zwischenzeugnisse

19.02.2019

19:00 Uhr: Elternkurs "Kess erziehen: Abenteuer Pubertät" mit Herrn Sebastian Wurmdobler vom Kolping-Erwachsenenbildungswerk Regensburg (viertes Treffen)

22.02.2019

13:00 bis 18:00 Uhr: Zweiter Elternsprechtag

Katzberger Straße 5
93413 Cham
09971 2376

E-Mail: verwaltung@maristen-realschule.de

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