Exkursion der 6. Klassen in das "Museum Quintana" in Künzing

Wer sich in der Bronzezeit ein solches Pferdegeschirr leisten konnte, gehörte zur Elite, das heißt, er war ein Adeliger. Die "normalen" Menschen nutzten die Kraft von Ochsen, die Wagen mit Scheibenrädern zogen und den Bauern bei der Arbeit halfen. In der Sonderausstellung "Statussymbol Wagen", die noch bis zum 4. November 2012 im Künzinger Museum zu sehen ist, erfuhren die Sechstklässler am 18. Juli, dass der Besitz eines besonderen Wagens schon in der Vorgeschichte das Ansehen seines Besitzers zur Schau stellte.

Trensenknebel in pontisch-kaukasischer Art

Nördlich der Alpen bildete sich ab 1200 v. Chr. eine gesellschaftliche Elite heraus, deren herausragende Stellung an den Grabbeigaben dokumentiert werden kann. Zu den bedeutendsten Statussymbolen dieser Führungsschicht gehören neben Zaumzeug, Waffen und Geschirr aus Bronzeblech der vierrädrige Prunk- oder Zeremonialwagen. Auf diesem wurde der Verstorbene in liegender Position auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Sobald das Feuer gelöscht war, wurden die Reste des Wagens mit der Asche des Toten in die Grabkammer gelegt.

der rekonstruierte Zeremonialwagen von Münchsmünster

Wie deutliche Abnutzungsspuren an den Bronzeteilen zeigen, wurde der Wagen von Münchsmünster nicht erst für die Bestattung angefertigt. Er war aber kein Alltagswagen für den Transport von Lasten. Mit dem Speichenrad stellte er für die damalige Zeit (12. Jahrhundert v. Chr.) eine fortschrittliche, allerdings nicht alltagstaugliche "Nobelkarosse" dar.

Ungefähr zweihundert Jahre später ändert sich die Bestattung: Der Wagen wird nicht mehr verbrannt. Stattdessen werden einige Bronzeteile mit der Asche des Toten in einer Urne bestattet. Dies genügte, um zu demonstrieren, dass es sich bei dem Bestatteten um eine bedeutende, Wagen fahrende Persönlichkeit gehandelt hatte. Im Künzinger Friedhof der Bronzezeit waren Gräber bedeutender Persönlichkeiten leicht zu erkennen: Sie waren von einem großen Garten umgeben, der durch einen kleinen Graben abgegrenzt wurde. In zwei Gräbern entdeckten Archäologen Pferdegeschirr und kleine Bestandteile eines Zeremonialwagens.

Urnen vom Künzinger Gräberfeld

Mit Arbeitsblättern und Stiften ausgestattet, erkundeten unsere Sechstklässler die Ausstellung auf eigene Faust. Dabei erfuhren sie, wie sehr die Erfindung von Rad und Wagen das Leben der Menschen revolutionierte. Durch sie hat sich das Wirtschafts- und Sozialleben spürbar verändert. Weit über die heimatliche Region hinaus konnten Kontakte geschaffen und gepflegt wie auch Ideen verbreitet werden.

 Erfindung von Rad und Wagen Erfindung von Rad und Wagen

Wo Rad und Wagen erfunden wurden, konnten unsere Schüler an dieser Tafel lesen. Lange glaubten Archäologen, dass das nicht bei uns in Europa geschah, sondern im heutigen Irak/Iran. Erst in den letzten 25 Jahren fanden sie heraus, dass es auch in Europa schon vor mehr als 5000 Jahren erste Wagen zum Transport schwerer Lasten gegeben hat.

Erfindung von Rad und Wagen  Erfindung von Rad und Wagen

Vor etwa 4000 Jahren wurden erstmals Pferde als Zugtiere vor einen Wagen gespannt. Um Gewicht zu sparen, wurde das leichtere Speichenrad entwickelt. Auch das Zaumzeug zum Lenken der Tiere entstand in dieser Zeit.

Speichenräder

Sehr beeindruckt waren die Sechstklässler von der Größe des Römischen Reiches um 200 n. Chr., wie es auf diesem beleuchteten Globus dargestellt ist. Frau Dr. Eva Bayer-Niemeier, die uns durch die Römerabteilung führte, erklärte, dass das Hilfstruppenkastell im heutigen Künzing um 90 n. Chr. errichtet wurde. Es diente wie die zeitgleiche Anlage von Passau-Innstadt und die früher entstandenen Kastelle von Straubing und Moos-Burgstall der Grenzsicherung entlang der Donau.

Römisches Reich um 200 n.Chr.

Das Künzinger Kastell mit den Außenmaßen 132,5 x 165,5 Metern und einer Innenfläche von zwei Hektar bot einer Besatzung von 500 Mann Platz. Die hier stationierten Soldaten waren Angehörige der Hilfstruppen. Diese waren seit Kaiser Augustus den römischen Legionen, in denen nur römische Bürger dienen konnten, angegliedert.

Blick auf das Kastell

Während seiner 25-jährigen Dienstzeit lebte der Soldat in den Mannschaftsbaracken in Stubengemeinschaften mit jeweils acht Mann in einem Raum. Eine gemeinsame Verpflegung aller Soldaten gab es nicht. Vielmehr wurde an jeden Soldaten pro Tag ein Kilogramm Getreide - in Künzing und im übrigen Rätien in der Regel Dinkel - ausgegeben, das als Grundnahrungsmittel diente. Im Kastell Künzing wurden also pro Tag 500 Kilogramm Getreide benötigt.

Modell des Kastells

Magisch angezogen wurden unsere Buben von diesem Zenturio, der eine Hundertschaft von Soldaten trainierte und befehligte. Frau Dr. Bayer-Niemeier erklärte uns die besondere Ausrüstung dieses höheren Offiziers. Neben den üblichen Angriffswaffen Dolch und Schwert trug er einen Schuppenpanzer und Beinschienen. Die Schuhe waren den örtlichen Gegebenheiten angepasst; es waren Stiefel mit genageltem Profil, unter dem Panzer trug er eine Tunika und eine Art Lederhose, die vor Kälte recht gut schützte.

ein römischer Zenturio

Artig stellte sich die Klasse 6a an, um das Gewicht des Kettenhemdes zu testen, das Lucas S. schon entdeckt und betastet hatte (vgl. oberes Bild). So mancher ging dabei in die Knie, als er plötzlich zehn Kilogramm Eisen entgegennahm.

Gewichtstest

Wie sich das Kettenhemd am Körper anfühlte, durfte Nico B. als Erster testen. Die Museumsleiterin war ihm nicht nur beim Anlegen, sondern auch beim Ablegen behilflich.

Anlegen des Kettenhemdes
 Anlegen des Kettenhemdes
 Ablegen des Kettenhemdes Ablegen des Kettenhemdes

Anschließend führte uns Frau Dr. Bayer-Niemeier zu der Vitrine mit den Depot- oder Hortfunden. Dabei handelt es sich nicht um unbrauchbar gewordenes und daher weggeworfenes oder verloren gegangenes Material, sondern um absichtlich vergrabene Objekte.

Blick auf die Hortfunde

In Künzing wurden bei Ausgrabungsarbeiten im Jahr 1962 in der Mitte des Kastells drei Hortfunde entdeckt, darunter ein Eisenhortfund mit einem Gewicht von 82 Kilogramm. Dieser besteht aus Waffenmaterial, militärischem Zubehör, Handschellen mit Gefangenenketten und Schlössern, Pionierwerkzeug, Zeltnägeln, Schlossblechen, Beschlägen und Scharnieren sowie Schreibgriffeln.

Hortfunde

Es wird angenommen, dass dieses Material kurz nach der Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. zusammengetragen und vergraben wurde - entweder von plündernden Germanen, um es bei einem später geplanten Rückzug mitzunehmen, oder von überlebenden Romanen, die es vor den Feinden in Sicherheit brachten. Die großen Alemanneneinfälle um 250/260 . Chr., die an vielen Orten zum Zusammenbruch des Limes führten, hatten auch für Künzing verheerende Folgen: Das Kastell wurde in der Zeit um 270/280 n. Chr. vollkommen zerstört.

Hortfunde

Die Begeisterung für die römischen Münzen war diesen Schülern förmlich ins Gesicht geschrieben. Sie dienten nicht nur als Zahlungsmittel, sondern auch zu Werbezwecken. Die Vorderseite zeigte die Porträts des jeweils herrschenden Kaisers bzw. Angehörige des Kaiserhauses; auf der Rückseite wurden Siege und positive Eigenschaften des Kaisers und seiner Schutzgötter verherrlicht, außerdem politische Parolen verbreitet. Darüber hinaus informierten die Münzen die Menschen in den entferntesten Orten des Reiches über die Frisurenmoden der Hauptstadt, was vor allem für die Frauen sehr interessant gewesen sein dürfte.

 
römische Münzen
römische Münzen

Mit dem römischen Denar konnte in allen Teilen des Weltreiches gezahlt werden. Die Gold-, Silber- und Bronzemünzen wurden zunächst in Rom geprägt, ab dem späten 3. Jh. gab es auch einzelne Münzstätten in den Provinzen. Unter Kaiser Augustus wurde der Aureus eingeführt, eine Goldmünze, die den Wert von 25 Denaren hatte.

Auf dem folgenden Bild werden die Löhne und Preise zwischen 50 und 150 n. Chr. dargestellt. Danach verdiente der einfache Soldat im Jahr 1000 Sesterzen. Verglichen mit den allgemeinen Lebenshaltungskosten war das nicht viel: Ein warmes Essen in einer Kneipe kostete zwei Sesterzen und für fünf Pfund Brot musste man einen Sesterz hinlegen. Da der Soldat aber für Unterkunft und Ernährung nicht selbst aufkommen musste, blieb ihm eine beträchtliche Summe zum persönlichen Verbrauch, die ihn in der Zivilsiedliung sicherlich zu einem gern gesehenen Kunden machte. Im Laufe der Zeit machte der regelmäßig gezahlte Sold ohnehin den geringsten Teil des Einkommens aus. Zusätzlich gab es Zahlungen in unregelmäßigen Abständen wie etwa zum Geburtstag des Kaisers, die bald die Höhe des regulären Solds überstiegen.

Lohne und Preise im Vergleich

Die Rekonstruktion eines römischen Schlosses hatte es einigen Schülern aus der Klasse 6a besonders angetan. Vor allem Lukas P. wollte wissen, wie es funktionierte, und unterzog es einem eingehenden Test.  Er war sehr skeptisch, ob diese Konstruktion auch wirklich vor Einbrechern schützen konnte.

rekonstruiertes Schloss


Schlosstest

Wie eine Toga angelegt wurde, demonstrierte die Museumsleiterin an Timo L. Dabei wurde jedem klar, warum dieses Kleidungsstück vornehmen Römern vorbehalten war. Ohne Hilfe, das heißt, ohne Sklaven, konnte man es unmöglich anziehen.

 Anlegen einer TogaAnlegen einer Toga 
 Anlegen einer Toga ein vornehmer Römer

Timo L. gab sein Wissen gleich weiter und kleidete einige Klassenkameraden ein.

 Verwandlung in einen Römer Verwandlung in einen Römer

Die Zeit nach der Führung nutzten noch viele Schüler, um sich ansatzweise in einen römischen Soldaten zu verwandeln.

Verwandlung  Verwandlung
 Verwandlung Verwandlung

Verwandlung  Verwandlung

ein römischer Auxiliar

Die Herstellung eines Ledergeldbeutels machte den Schülern aus der Klassen 6a und 6b großen Spaß. Zuerst musste die Schablone auf das Leder übertragen werden, anschließend erfolgte das Ausschneiden und das Setzen der Stanzlöcher. Das ging nicht ohne Ohrstöpsel, denn der Lärm im Raum war so groß, dass man ihn im ganzen Museum hören konnte. Nach diesem Arbeitsschritt mussten die Lederbänder eingefädelt und zusammengezogen werden, damit eine funktionsfähige Geldbörse (wie auf dem Bild mit dem Lohn- und Preisvergleich zu sehen ist) entstand. Zuletzt wurde sie mit einer Schlaufe geschlossen.

Schablone als Vorlage  Ausschneiden
 Setzen von Stanzlöchern Durchfädeln des Lederbandes
 Festzurren des Bandes Schließen mittels einer Schlaufe

Die Klasse 6c beschäftigte sich im Workshop intensiv mit dem Thema Schreiben und Lesen. Sie stellte ein Schreibtäfelchen her, das wie ein Buch zusammengeklappt werden kann. Da es mit Wachs beschichtet war, konnte man mit dem angespitzten Ende des Griffels - des sogenannten stilus - darauf schreiben. Mit seinem breiten Ende war es möglich, seine Notizen wieder zu löschen.

Herstellen eines Schreibtäfelchens

Herstellen eines Schreibtäfelchens

Herstellen eines Schreibtäfelchens

Die strahlenden Gesichter der Schüler zeigten, dass sie mit dem Ergebnis ihrer Arbeit vollauf zufrieden waren.

tolle Arbeiten

Die folgenden Bilder vermitteln weitere Eindrücke von der Exkursion unserer Sechstklässler  in das "Museum Quintana".

volle Konzentration

freundliche Blicke

Immer feste drauf!

Ohrstöpsel mussten sein!

Schüler aus der Klasse 6b

Schüler aus der Klasse 6b
   
Ledergeldbeutel  Ledergeldbeutel

                                                                                 (Christl Hastreiter, FBin Geschichte)



www.museum-quintana.de







Aktuelles

Termine


Übertritt in die 5. Klasse zum Schuljahr 2019/20

Informationen und Termine unter der Rubrik "Rundschreiben"

29.01.2019

19:00 Uhr: Elternkurs "Kess erziehen: Abenteuer Pubertät" mit Herrn Sebastian Wurmdobler vom Kolping-Erwachsenenbildungswerk Regensburg (erstes Treffen)

05.02.2019

19:00 Uhr: Elternkurs "Kess erziehen: Abenteuer Pubertät" mit Herrn Sebastian Wurmdobler vom Kolping-Erwachsenenbildungswerk Regensburg (zweites Treffen)

07.02.2019

13:30 Uhr: Zwischenzeugniskonferenz

08.02.2019

Jour Fixe im Mehrzwecksaal in der Aula

12./13.02.2019

Vorträge der PI Cham zum Thema "Alkohol und Drogen": 12. Januar: 10a; 13. Januar: 10b

12.02.2019

19:00 Uhr: Elternkurs "Kess erziehen: Abenteuer Pubertät" mit Herrn Sebastian Wurmdobler vom Kolping-Erwachsenenbildungswerk Regensburg (drittes Treffen)

15.02.2019

Ausgabe der Zwischenberichte und Zwischenzeugnisse

19.02.2019

19:00 Uhr: Elternkurs "Kess erziehen: Abenteuer Pubertät" mit Herrn Sebastian Wurmdobler vom Kolping-Erwachsenenbildungswerk Regensburg (viertes Treffen)

22.02.2019

13:00 bis 18:00 Uhr: Zweiter Elternsprechtag

Katzberger Straße 5
93413 Cham
09971 2376

E-Mail: verwaltung@maristen-realschule.de

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