Zehntklässler folgten Mandelas langem Kampf gegen die Apartheid


Der Tod Nelson Mandelas am 5. Dezember 2013 konnte im Geschichtsunterricht nicht übergangen werden. Angesichts des großen medialen Interesses war es schon fast eine Pflichtübung, sich intensiv mit seinem außergewöhnlichen Lebensweg zu beschäftigen. Zum Abschluss dieser Unterrichtseinheit stand am 6. Februar ein Kinobesuch auf dem Stundenplan. Gezeigt wurde - übrigens zum ersten Mal in Cham - die Verfilmung der Autobiografie "Mandela - Der lange Weg zur Freiheit". Dank der großartigen Inszenierung von Justin Chadwick und der tollen schauspielerischen Leistung von Idris Elba (Nelson Mandela) sowie von Naomie Harries (Winnie Mandela) war es unseren Schülern keine Sekunde langweilig. "Ich empfehle diesen Film jedem weiter", äußerte sich ein Schüler am nächsten Tag. Und er fuhr fort: "Sehr spannend, sehr emotional, einfach ein klasse Film! Hut ab vor dem Regisseur! "

Vorstellung nur für uns

Bis "Tata Madiba", wie er bei den Trauerfeierlichkeiten liebevoll genannt wurde, 1994 der erste frei gewählte Präsident Südafrikas wurde, musste er einen mühsamen Weg gehen. Als junger Anwalt setzte er sich für die Rechte der schwarzen Bevölkerung ein und glaubte an die Möglichkeit, die Gesellschaft auf friedliche Weise zu verändern. 1944 trat Mandela dem ANC ("African National Congress") bei und entwickelte sich nach dem Vorbild des von ihm bewunderten Walter Sisulu zu einem mitreißenden Redner.

Am 21. März 1960 zogen etwa 8000 Schwarze ohne ihre Pässe zur Polizeistation von Sharpeville, 50 Kilometer südlich von Johannesburg entfernt, um gegen das Passgesetz zu demonstrieren. Im Gegensatz zu den Weißen mussten sie immer einen Ausweis mitführen, damit sie jederzeit nachweisen konnten, dass sie sich zu Recht in einem Gebiet aufhielten. Die Regierung setzte zunächst Tiefflieger ein, um die Leute auseinanderzutreiben. Schließlich eröffneten die Polizisten das Feuer auf die unbewaffnete Menge und töteten 69 Menschen - darunter Frauen und Kinder, 186 wurden verletzt.

Sharpeville 1960

Aus Protest gegen dieses "Massaker von Sharpeville" kam es zu einer öffentlichen Passverbrennung. Der ANC wurde verboten, die Zeit des gewaltlosen Widerstands war endgültig vorbei. Mandela  wurde 1961 der Anführer des bewaffneten Flügels des ANC, mit Sabotageakten wollte man das Land unregierbar machen und dabei möglichst wenige Menschenleben gefährden.

Verbrennen der Pässe

"Die Kampagne befreite mich von jedem Zweifel oder Unterlegenheitsgefühl, das ich etwa noch gehegt haben mochte. Sie befreite mich vom Gefühl der Ohnmacht gegenüber der scheinbaren Unbesiegbarkeit des weißen Mannes und seiner Institutionen. Nun hatte der weiße Mann die Kraft meiner Schläge verspürt und ich konnte wieder aufrecht gehen wie ein Mann und jedem mit der Würde in die Augen sehen, die einem daraus erwächst, wenn man Angst und Unterdrückung nicht nachgibt. Ich war als Freiheitskämpfer endlich erwachsen geworden", schrieb Mandela in seiner Autobiographie "Mein langer Weg zur Freiheit".

Sabotageakte

1963 wurde er verhaftet und vor ein "weißes Gericht "gestellt. Am 20. April 1964 gestand er: "Ich bestreite jedoch nicht, dass ich Sabotageakte geplant habe. Ich habe dies aber nicht aus einer Lust an Gewalt und Zerstörung heraus getan." Seine Beweggründe stellte er wie folgt dar: "Wir vom ANC haben uns immer für eine nicht-rassistische Demokratie eingesetzt. Wir schreckten vor jeder Aktion zurück, die einen noch tieferen Keil zwischen die Rassen trieb. Doch die Fakten lagen klar auf der Hand: Fünfzig Jahre Gewaltlosigkeit hatten den Afrikanern nichts gebracht - außer einer immer repressiveren Gesetzgebung und immer weniger Rechten."

Mandelas Rede vor Gericht

Obwohl Mandela ebenso wie seine Mitangeklagten mit der Todesstrafe gerechnet hatten, entschied sich Richter Quartus de Wet anders. Er verurteilte sie wegen Sabotage und Planung des bewaffneten Kampfes zu lebenslanger Haft. Sein Motiv: Er wollte keine Märtyrer aus ihnen machen.

Richter Quartus de Wet

Die angeklagten ANC - Kämpfer vor und nach der Urteilsverkündung im Justizpalast von Pretoria:

Urteilsverkündung

Der Todesstrafe entkommen!

Seine zweite Frau Winnie, die Mandela im Jahr 1958 geheiratet hatte, trat nach der Urteilsverkündung mit erhobener Faust auf die wartende Menschenmenge zu. Für sie begann nun eine schwere Zeit. Sie musste alleine für ihre beiden Töchter sorgen und mit den Schikanen der Polizei fertig werden. Die 18 Monate dauernde Isolationshaft verstärkte ihren Hass gegen die Weißen und begründete ihren radikalen Kampf gegen die Regierung. "Zu erfahren, dass meine Frau von der Polizei belästigt und verfolgt wurde, ja, dass es zu Übergriffen kam und ich nicht da war, um sie zu schützen - das war ein sehr schwerer Moment für mich", erzählte Mandela am 9. März 1993 seinem Biografen Richard Stengel.

Winnie Mandela

Auf der berüchtigten Gefangenenkolonie "Robben Island" wurden Mandela und sieben weitere Freiheitskämpfer mit folgenden Worten empfangen: "Ihr werdet nie wieder eine Frau oder ein Kind berühren. Ihr werdet hier sterben." Sie mussten in der gleißenden Sommersonne und in den feuchtkalten Wintermonaten im Steinbruch schuften. Dabei ruinierten sie sich ihre Augen und Gelenke. "Sie wollten uns den Geist brechen", berichtete Mandela seinem Biografen Richard Stengel. "Also sangen wir von der Freiheit, wenn wir uns bei der Arbeit sahen, und jeder fühlte sich von Neuem inspiriert." Briefe von Angehörigen wurden zensiert, Besuche waren lediglich zweimal im Jahr  gestattet, Berührungen mit ihnen verboten.

Ankunft auf Robben Island

Als Schwarze mussten die Gefangenen kurze Hosen tragen, was genauso wie die Bezeichnung "boy" als Diskriminierung angesehen wurde.

Erstes Ankleiden

Mandela wehrte sich gegen diese Benachteiligung und stellte einen Antrag auf lange Hosen. Mit dieser Forderung setzte er sich tatsächlich durch.

Freude über lange Hosen

Schikanen waren in Robben Island an der Tagesordnung. So kam es zum Beispiel vor, dass die Gefangenen mitten in der Nacht aufgeweckt und auf den Hof kommandiert wurden. Dort mussten sie sich nackt ausziehen und bei strömendem Regen stundenlang stehen bleiben.

Eine der vielen Schikanen

1969 bekam Mandela die Nachricht, dass sein 1945 geborener Sohn Thembi bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. Sein verzweifelter Versuch, an der Beerdigung teilnehmen zu dürfen, wurde abgeschmettert. Ob es wirklich ein Unfall oder ein Mord war, wurde nie geklärt.

Nachricht von Thembis Tod

Auch wenn beinahe die gesamte alte Führungsriege des ANC inhaftiert war, ging der Kampf gegen die Apartheid draußen weiter. Am 16. Juni 1976 versammelten sich etwa 15000 Schulkinder in Soweto, der South Western Township am Rande von Johannesburg, um gegen einen neuen Erlass zu demonstrieren. Dieser schrieb vor, dass die Hälfte des Unterrichts in der Sekundarstufe in Afrikaans, der Sprache der burischen Unterdrücker, zu halten ist. Lehrer, Eltern und Schüler hatten vergebens dagegen protestiert. An diesem Tag zogen die jungen Leute los. Ein Kontingent der Polizei eröffnete das Feuer und tötete oder verletzte Hunderte von ihnen. Überall im Land erhoben sich die Schwarzen in den Townships. Beerdigungen der Opfer wurden zu politischen Kundgebungen.

Die folgenden Jahre wurden die blutigsten in der Geschichte des Landes. Die Galionsfigur des Widerstands wurde Winnie Mandela. Wenn sie sprach, strömten die Menschen in Massen zusammen. Und je größer ihre Anziehungskraft war, desto radikaler wurde sie. Selbst ihre eigenen Leute verfolgten in Soweto tatsächliche oder vermeintliche Verräter, steckten sie in einen Reifen, übergossen sie mit Benzin und verbrannten sie.

Soweto 1976

Während das Land immer tiefer in den Bürgerkrieg versank, erkannte die weiße Regierung unter Pieter Willem Botha, dass sie Mandela entgegenkommen musste. Südafrika war mittlerweile international isoliert. Seine Nationalmannschaften durften nicht mehr an Weltmeisterschaften teilnehmen, seine Sportler waren von Olympischen Spielen ausgeschlossen, der von der UNO beschlossene Wirtschaftsboykott zeigte Wirkung. Mit der Kampagne "Freiheit für Mandela" gewann man die internationale Aufmerksamkeit. In dieser Situation wurden Mandela und seine Freunde Sisulu und Kathrada 1982 in das relativ komfortable Gefängnis nach Pollsmoore verlegt. Dort konnten sie Zeitung lesen, ihre Familie und Freunde, ja sogar Journalisten empfangen. Hier durfte Mandela seine Frau zum ersten Mal seit seiner Verhaftung wieder berühren!

Erste Berührung seit der Verhaftung

Angesichts des immer größer werdenden Drucks der Weltöffentlichkeit und der zunehmenden Unruhen im eigenen Land schickte Präsident Botha eine Delegation zu Mandela, um über dessen Freilassung zu sprechen. Aber Mandela ging nicht auf Bothas Forderung ein. Diese verlangte vom ANC, auf Gewalt als politischer Waffe komplett zu verzichten. Nicht er müsse der Gewalt abschwören, sondern die Regierung, forderte er. Über seine Tochter Zindzi ließ er im Februar 1985 an seine Anhänger verkünden: "Ich schätze meine Freiheit sehr, aber die eure liegt mir noch mehr am Herzen."

Gespräche über Mandelas Freilassung

Die entscheidende Veränderung kam erst mit dem neuen Präsidenten Frederik Willem de Klerk. Er hob am 2. Februar 1990 das Verbot des ANC auf und erklärte die Freilassung Mandelas. Neun Tage später trat Nelson Mandela an der Seite seiner Frau Winnie mit erhobener Faust vor die Weltpresse.

Mandela und Präsident de Klerk

In der Folgezeit kam es vermehrt zu blutigen Unruhen zwischen der weißen und schwarzen Bevölkerung. Während Mandela sich für eine Politik der Versöhnung einsetzte, blieb Winnie der Gewalt treu. Die widersprüchlichen Ansichten der Eheleute gefährdeten das Bild Mandelas als Politiker, das Land drohte in einem Chaos zu versinken. Daher kündigte Mandela am 13. April 1992 die Trennung von seiner zweiten Frau an: "Ich persönlich werde das Leben, das die Genossin Nomzamo (Winnie Mandela) und ich zu führen versucht haben, niemals bereuen. Das Schicksal, das zu beeinflussen nicht in unserer Macht stand, hat es anders gewollt. Ich trenne mich von meiner Frau ohne Schuldzuweisungen. Ich urmarme sie mit aller Liebe und Zuneigung, die ich - im Gefängnis und außerhalb - für sie empfunden habe, seit ich sie zum ersten Mal sah."

Winnie Mandela bleibt dem bewaffneten Kampf treu.

Mandela, der 1991 einstimmig zum Präsidenten des ANC gewählt worden war, leitete Verhandlungen mit der Regierung über die Beseitigung des Apartheid-Systems und die Schaffung einer neuen, vorläufigen Verfassung ein. Schließlich wurde im Februar 1993 vereinbart, Wahlen für alle Bevölkerungsgruppen durchzuführen. Diese fanden am 27. April 1994 statt. Deren Bedeutung beschrieb Mandela folgendermaßen: "Ich hatte das Gefühl, mit mir gingen Oliver Tambo, Chris Hani, Albert Luthuli und Bram Fischer zur Wahlurne. Ich spürte Josiah Gumede, G.M. Naicker, Dr. Abdullah Abdurahmaan, Lilian Ngoyi, Helen Joseph, Yusuf Dadoo, Moses Kotane, Steve Biko und viele andere an meiner Seite. Mir war, als halte jeder von ihnen meine Hand und mache mit mir das Kreuz, falte mit mir den Stimmzettel und stecke ihn in die Wahlurne." Der ANC gewann mit großer Mehrheit, Nelson Mandela wurde der erste schwarze Präsident Südafrikas.

Präsident Mandela

Mandelas langem Weg zur Freiheit gingen die Klasse 10a und ...

Klasse 10a

10 b im Geschichtsunterricht nach. Diesen stellten sie an der Rückseite ihres Klassenzimmers von rechts nach links dar.

Klasse 10b

Mit großem Unverständnis reagierten viele von den Zehntklässlern auf das System der Apartheid. Vor allem auch wegen der Tatsache, dass sich eine solche Politik der Rassentrennung fast bis zum Ende des 20. Jahrhunderts halten  konnte.

Politik der Rassentrennung

Die Schüler wurden aufgefordert, sich intensiv mit den von der weißen Regierung beschlossenen Verboten auseinanderzusetzen und diese an die Wand zu pinnen. Dadurch erhielten sie einen besonderen Zugang zur Apartheid.

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Wie sehr man die Würde von Schwarzen mit Füßen trat, zeigt dieses Bild. Bei einer Show für Weiße führte die Polizei in der Nähe von Johannesburg vor, wie sie mit Kriminellen umging. Diese waren bei solchen Veranstaltungen stets schwarz und wurden von einem Hund zur Belustigung der Zuschauer erniedrigt.

Umgang mit schwarzen Kriminellen

Dieses berühmte Bild zeigt Nelson Mandela in seiner Zelle auf Robben Island. Es ist doch höchst erstaunlich, dass dieser Mann trotz all der Strapazen, die er für seine Überzeugung auf sich genommen hat, ein so hohes Alter erreicht hat.

18 Jahre auf Robben Island

Als sich im März 1994 im Stadion von Mmabatho 40000 Menschen versammelten, war für sie klar: Mandela muss Präsident werden!

Mandela soll Präsident werden!


                                                                                 (Christl Hastreiter, FBin Geschichte)


Buchtipp:
Nelson Mandela, Meine Waffe ist das Wort, München 2013
(Aus diesem Buch stammen die meisten der angeführten Zitate.)







Aktuelles

Termine


Übertritt in die 5. Klasse zum Schuljahr 2019/20

Informationen und Termine unter der Rubrik "Rundschreiben"

29.01.2019

19:00 Uhr: Elternkurs "Kess erziehen: Abenteuer Pubertät" mit Herrn Sebastian Wurmdobler vom Kolping-Erwachsenenbildungswerk Regensburg (erstes Treffen)

05.02.2019

19:00 Uhr: Elternkurs "Kess erziehen: Abenteuer Pubertät" mit Herrn Sebastian Wurmdobler vom Kolping-Erwachsenenbildungswerk Regensburg (zweites Treffen)

07.02.2019

13:30 Uhr: Zwischenzeugniskonferenz

08.02.2019

Jour Fixe im Mehrzwecksaal in der Aula

12./13.02.2019

Vorträge der PI Cham zum Thema "Alkohol und Drogen": 12. Januar: 10a; 13. Januar: 10b

12.02.2019

19:00 Uhr: Elternkurs "Kess erziehen: Abenteuer Pubertät" mit Herrn Sebastian Wurmdobler vom Kolping-Erwachsenenbildungswerk Regensburg (drittes Treffen)

15.02.2019

Ausgabe der Zwischenberichte und Zwischenzeugnisse

19.02.2019

19:00 Uhr: Elternkurs "Kess erziehen: Abenteuer Pubertät" mit Herrn Sebastian Wurmdobler vom Kolping-Erwachsenenbildungswerk Regensburg (viertes Treffen)

22.02.2019

13:00 bis 18:00 Uhr: Zweiter Elternsprechtag

Katzberger Straße 5
93413 Cham
09971 2376

E-Mail: verwaltung@maristen-realschule.de

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