Junge Flüchtlinge zu Besuch in der Maristen-Realschule

Ein buntes Völkchen war am 9. Juli in der Maristen-Realschule anzutreffen. Begleitet von Fachlehrerin Anita Hastreiter steuerte es den Veranstaltungsraum im Erdgeschoss an, wo die Klasse 9b eine nicht ganz einfache Aufgabe zu bewältigen hatte. Sie musste ihre Projektarbeit zum Thema „Herkunftsländer von in Deutschland lebenden Flüchtlingen“ präsentieren. Dazu hatte sie Schüler der Berufsintegrationsklasse eingeladen. Was war der Hintergrund? Im Juni hatten 16 Maristenschüler die Chamer Berufsschule besucht und mit jungen Migranten Interviews zu ihren Heimatländern geführt. Dadurch wollten sie ihre Projektarbeit lebendiger gestalten. Diese Begegnung war sehr herzlich und unkompliziert, folglich lud die Klasse 9b die Interviewpartner zur Präsentation ihrer Arbeiten ein. Klassenleiterin Christl Hastreiter hatte ein leckeres Frühstück vorbereitet, um sich für die Gastfreundschaft an der Berufsschule zu revanchieren. Freilich trug die gemeinsame Mahlzeit dazu bei, dass man leichter ins Gespräch kam.

Nun saßen also zwölf junge Menschen aus Syrien, Eritrea, Somalia, Nigeria, dem Irak, dem Iran und Albanien im Mehrzweckraum und warteten gespannt, was die Neuntklässler über ihre Heimatländer zu sagen hatten. Zwischen den Präsentationen waren einige Gäste bereit, über ihre persönliche Situation zu reden. Den Anfang machte Yousief aus Eritrea. Er hatte keine Scheu, gemeinsam mit seinem Landsmann Biniam vor die Klasse zu treten und über sich zu sprechen. In einem sehr guten Deutsch erzählte er von seinen acht Geschwistern und seinen Eltern, die er in der Heimat zurückgelassen hat. Natürlich sei ihm das schwer gefallen, aber er habe in seinem Land keine Perspektive gesehen. „Es gibt kaum eine Berufsausbildung, keine Meinungs- und Religionsfreiheit wie hier in Deutschland“, so Yousief. 

Für ihn als Christen alles andere als eine leichte Situation. „In Eritrea kann man nicht über sein Leben bestimmen. Man muss tun, was die Regierung von einem verlangt.“ Zum Beispiel bis zum 50. Lebensjahr Militärdienst leisten. Nach seinem Fluchtweg befragt, erzählte er, dass er mit einem Boot über das Mittelmeer nach Italien gekommen sei. Ein Maristenschüler wollte wissen, ob er Heimweh habe. „Ja“, sagte er spontan, „ich denke oft an meine Familie, ich vermisse sie sehr.“ Aber in Deutschland fühle er sich sehr wohl und hofft, bleiben zu können.

Dasselbe wünscht sich Jack aus dem Irak. Er sprach über den Rassismus, der ihm tagtäglich begegnet – gerade im Bahnhofsbereich von Cham. Aber die Gewissheit, dass es auch Menschen gibt, die ihn nicht als Ausländer, sondern als Person sehen, gebe ihm wieder Mut. Er lässt sich nicht unterkriegen und blickt positiv in die Zukunft.

 

Hamzeh Adawieh aus Syrien hat mit seinen 30 Jahren viel Schlimmes erlebt. Mit dem Kriegsausbruch in Syrien veränderte sich sein Leben vollkommen. Anstatt weiter englische Literatur studieren zu können, wurde er eingezogen. Auch einen Gefängnisaufenthalt hat er hinter sich. Dort scheint er Schmerzhaftes erlebt zu haben. Er sagte nicht, was, aber man merkte: Er kann nicht darüber reden. Hamzeh kam 2015 nach Deutschland und steht mittlerweile auf eigenen Beinen. Doch alle seine Freunde sind tot. Und das belastet ihn sehr.

Oseh aus Nigeria, der mit 130 anderen Leuten eine zweitägige Bootsfahrt über das Mittelmeer hinter sich hat, ist erst seit drei Monaten in Deutschland und kann sich deswegen nur auf Englisch verständigen.

Er hatte Hemmungen, sich vor die Klasse zu stellen und über sich zu reden. Spontan sprang ihm die „Nigeria-Gruppe“ (Michael Pfeffer, Robin Schneider und Tobias Tröster) zur Seite und nahm ihn in ihre Mitte. Eine Geste, die tief bewegte und zuversichtlich stimmte, was das Zusammenleben von jungen Deutschen und Migranten betrifft.

Bereits am kommenden Dienstag kommt man wieder zusammen. Die Klasse 9b hat die BIK-Schüler zum Open Air auf dem Schulgelände eingeladen und die Gäste sagten spontan zu. Anita Hastreiter wird ihre Schützlinge begleiten.

Christl Hastreiter