Kooperation mit dem Rundfunkmuseum

Löten, entdecken, verstehen, Spaß haben

Den ganzen Februar hindurch machten sich Schüler der Technikerklasse 9a auf den Weg, das Geheimnis eines Mittelwellenradios zu lüften. An vier Samstagen bauten sie unter der fachkundigen Anleitung von Max Schneider, aktives Mitglied des Fördervereins vom Rundfunkmuseum in Cham, ein Mittelwellenradio und besuchten abschließend auch noch das Museum selbst (https://www.chamer-rundfunkmuseum.de/)

Vorausgegangen waren ein paar Wochen der Planung und Auslotung einer möglichen Zusammenarbeit. Max Schneider trat mit Physiklehrer Markus Karl in Kontakt und sofort war klar, dass daraus mehr als ein einmaliges Projekt werden kann. Nachdem auch noch spontan eine Schülergruppe mitmachte bei dem ersten Testlauf, konnte der Start erfolgen.

„Wenn du das Radio andrehst, wirst du immer die letzten Takte deines Lieblingslieds hören.“ (Vladimir Horowitz). Dieser Spruch wurde förmlich sichtbar, als Lukas als einer der ersten den Einschalter betätigte und mit dem drehbaren Rad eine passende Frequenz einstellte: Die Musik erschallte laut und klar durch den Physik-Übungssaal und mit einem zufriedenen, breiten Grinsen im Gesicht wollte er den ersten, eigenen, selbst gebauten Radio gar nicht mehr ausschalten!

Der Erfolgszug der Mittelwelle begann schon vor fast 100 Jahren: Am 29. Oktober 1923 fiel der Startschuss für die erste öffentliche Radiosendung in Berlin. Gesendet wurde ab 20.00 Uhr aus dem Berliner Vox-Haus: "Achtung, Achtung, hier ist die Sendestelle Berlin im Vox-Haus auf Welle 400 Meter. Meine Damen und Herren, wir machen Ihnen davon Mitteilung, dass am heutigen Tag der Unterhaltungsrundfunk mit Verbreitung von Musikvorführungen auf drahtlos-telefonischem Wege beginnt." - Etwas, was für unsere heutige Jugend nichts Weltbewegendes mehr zu sein scheint.

Es ist schön, wenn man sie trotzdem noch für solche Projekte begeistern kann, wenn sie die Möglichkeit hat, die Technik dahinter zu sehen, zu fühlen und verstehen zu können: Keine „Blackbox“ mit ein paar Schaltern und einem Stromanschluss, bei der man gar nicht mehr kapiert, was eigentlich genau im Inneren passiert und warum dieses Gerät so funktioniert - oder eben auch nicht, denn nicht alle selbst gebauten Radios verhielten sich beim ersten Einschalten so wie geplant. Dann begann die Fehlersuche, was übrigens auch erstrebenswerte Kompetenzen fördert: Genauigkeit, Frustrationstoleranz und Durchhaltevermögen!

Beim letzten gemeinsamen Treffen führte dann Michael Heller zusammen mit Max Schneider die Schüler und Angehörige durch das Rundfunkmuseum. Diese staunten nicht schlecht, was es dort alles zu sehen und hören gab: Alleine die Vielzahl der Exponate faszinierte jeden - von den beeindruckenden Experimenten bis hin zu den technischen Geräten.

Eine weitere Zusammenarbeit mit dem Museum ist angedacht und soll sich auf eine langjährige Kooperation über mehrere Jahrgangsstufen hinweg stützen, so dass eine Win-Win-Situation entsteht: Die Schüler entdecken die praktischen Anwendungen der theoretischen Physik und das Museum fördert das Interesse und die Fähigkeiten der jungen Leute. Experten, welche mit analogen Funksignalen umzugehen wissen, werden immer seltener und sind deshalb in der Industrie extrem gefragt und hochbezahlt!

Wer weiß, vielleicht kommt ja der nächste Lodge, Hertz oder Tesla aus Cham und kann von sich behaupten, dass seine Liebe zur Technik durch eine Kooperation zwischen der Maristen-Realschule und dem Rundfunkmuseum geweckt wurde? Träumen darf man ja wohl als Physiklehrer noch …

Markus Karl.